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Bodenleben, ein Schatz im Verborgenen

 

Intakter, fruchtbarer und widerstandsfähiger Boden ist essenti-
elle Grundlage für eine ertragreiche und nachhaltige Landbe-
wirtschaftung. Aus Sicht der Kulturpflanze sorgt gesunder Bo-
den zunächst für eine ausgewogene Versorgung mit Nähr-
stoffen und Wasser, puffert Wärme und Niederschläge, ist lo-
cker durchlüftet, leicht durchwurzelbar und bietet zugleich fes-
ten Halt. Doch Böden sind nicht nur ein bloßes Substrat für
Pflanzen, sondern vielmehr auch Kooperationspartner: Auf
vielfältige Art und Weise stehen Pflanze, mineralische Boden-
partikel und Bodenorganismen im Austausch und können sich
gegenseitig aktiv beeinflussen. So sind Pflanzen in der Lage,
über Wurzelausscheidungen gezielt hilfreiche Mikroorganismen
zu fördern. Diese können schwer verfügbare Nährstoffe wie
Phosphat mobilisieren, Schadorganismen hemmen oder das
Pflanzenwachstum stimulieren. Knöllchenbakterien (Rhizobien)
können in Symbiose mit Leguminosen Luftstickstoff binden und
den Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger erheblich redu-
zieren. Humus, Mikroorganismen und Regenwürmer stabilisie-
ren das Bodengefüge und sorgen für einen ausgeglichenen
Wasserhaushalt, geringe Erosionsanfälligkeit sowie gute Durch-
lüftung und Durchwurzelbarkeit. Ein intensiv belebter Boden ist
in der Lage, Pflanzenreste und organische Dünger kurzfristig
umzusetzen und die Nährstoffe der Hauptfrucht zur Verfügung
zu stellen.
Im Angesicht von schlagkräftigen Maschinen, schnell verfügba-
ren Düngemitteln und wirksamem chemischem Pflanzenschutz
ist die Rolle der Pilze, Algen, Bakterien und höheren Lebewesen
im Ökosystem Acker teils außer Blick geraten. Dabei übertrifft
die Biomasse des Bodenlebens mit ca. 15 t pro Hektar die des
oberirdischen Lebens deutlich. Über die Umwandlung und Be-
reitstellung von Nährstoffen, die Stabilisierung der Bodenstruk-
tur und des Wasserhaushalts und die Unterstützung der Pflan-
zengesundheit leistet das unterirdische Leben einen unverzicht-
baren und häufig unterschätzten Beitrag zur Fruchtbarkeit der
landwirtschaftlichen Flächen. Müssten die Funktionen des Bo-
denlebens über technische Maßnahmen kompensiert werden,
werden die anfallenden Kosten hierfür in der EU auf mind.
38 Mrd. € pro Jahr geschätzt – 2/3 des jährlichen GAP-Budgets!
Das heißt konkret: Die bewusste Nutzung und gezielte Förde-
rung des Zusammenspiels von Pflanzen, Bodenorganismen und
Bewirtschaftung zur Aktivierung der natürlichen, fruchtbar ma-
chenden Bodenprozesse liegt im ureigenen Interesse der Land-
wirtschaft. Umgekehrt sollten wir uns bewusst werden, dass
Beeinträchtigungen und mangelnde Aufmerksamkeit für das
Bodenleben durch den vermehrten Einsatz von Technik, Dün-
gung und Pflanzenschutz kompensiert werden müssen.
Eine nachhaltige, klimaangepasste Bodennutzung mit hohen
.
In dieser Ausgabe
Erträgen und geringer Umweltbelastung ist maßgeblich auf ein
leistungsfähiges Bodenleben angewiesen. Ebenso wie Kultur-
pflanze und Vieh sind die Bodenorganismen darauf angewie-
sen, dass ihnen optimale Wachstumsbedingungen zur Verfü-
gung gestellt werden, wenn sie ihre vorteilhafte Wirkung ent-
falten sollen. Im Boden wollen pro Hektar Organismen in der
Größenordnung von 20 Großvieheinheiten mit Wurzelausschei-
dungen und organischen Reststoffen ernährt werden – etwa
das Zehnfache der maximalen, ökologisch sinnvollen Bestands-
dichte in der Tierhaltung. Ein vitales Bodenleben als zentrales
Element einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit sollte ebenso
zum Produktionsziel der Landwirtschaft werden, wie es die
Produktion von Lebensmitteln bisher schon ist.
Dazu steht eine Vielzahl an möglichen Maßnahmen zur Verfü-
gung, die teils schon seit Jahrzehnten erprobt sind. Je nach
Standort können Verfahren der konservierenden Bodenbear-
beitung, permanente Bodenbedeckung, Anbaudiversifizierung,
Mulch, Zwischenfrüchte und Untersaaten zum Einsatz kom-
men. Fruchtfolgeplanung und Düngung orientieren sich idealer-
weise an der Versorgung sowohl von Boden als auch Kultur-
pflanzen. Eine Nutzung der Fähigkeiten des Bodens zur natürli-
chen Schädlings- und Krankheitsregulation reduziert den Ein-
satz von synthetischem Pflanzenschutz und vermeidet so Schä-
den an im Boden lebenden Arten. Ein aktives und „trainiertes“
Bodenleben reagiert auf Stimulation durch Bodenbearbeitung
oder Düngung und ist ein starker Partner auf dem Acker.
Die aktive Pflege des Bodenlebens ist auch jetzt schon eine In-
vestition, die sich für die Landwirt*innen langfristig auszahlt.
Um die konsequente Umsetzung in der Praxis zu ermöglichen,
ist jedoch auch eine Neuausrichtung der landwirtschaftlichen
Förderpolitik hin zu einer nachhaltigeren Bodenbewirtschaf-
tung dringend notwendig.
Quelle:
Moritz Nagel, Christian Selig, Johanna Gundlach, Henrike v. d. Decken, Manfred Klein, Beate Jessel 2021. BfN Bodenreport: Vielfältiges Bodenleben - Grundlage für Naturschutz und nachhaltige Landwirtschaft. Bundesamt für Naturschutz, Bonn

 

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